Es gibt immer wieder Leute, die todunglücklich mit ihren Tattoos sind - dabei ist es eigentlich ganz einfach:
Denkt darüber nach, wer Ihr seid, sucht Euch das richtige Motiv, findet den Tätowierer, der zu Euch passt und der Eure Vorstellungen umsetzt und achtet darauf, wie Ihr euch vor Eurem Termin und in der Heilungsphase verhaltet.
Genau um diese Punkte geht es auf den folgenden Seiten und ich hoffe ich kann dem einem oder anderen Anfänger damit ein wenig helfen.

Auf ein farbenfrohes Leben!


Motiv-Wahl

Motivwahl - Motivqual: Nicht immer sind Menschen mit ihren Tätowierungen bis zum Ende ihres Lebens glücklich - nicht umsonst gibt es immer mehr seriöse und unseriöse Anbieter von Tattooentfernungen.
Dabei ist oder sollte es gar nicht so schwer sein lebenslang Freude zu haben - vorausgesetzt man macht sich vorher ein paar Gedanken über sich selbst.

Grundsätzlich sollte die erste Frage lauten: Bin ich wirklich bereit, mein vermutlich noch recht langes Leben einen Körperschmuck zu tragen und diesen auch in der Öffentlichkeit zu zeigen? Wer das nicht mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten kann, sollte einfach die Finder davon lassen! Ich kann glaube ich nicht zählen, wie oft ich in meinem Tätowiererdasein gehört habe: „Ich überlege jetzt schon zehn Jahre, ob ich mir das und das tätowieren lasse“ - das Einzige, was mir dazu noch einfällt, ist: Dann überleg doch einfach die nächsten zehn Jahre weiter...

Doch wie kann verhindert werden, dass die Leute eines Tages unglücklich sind mit ihren Tattoos? Aus meiner Erfahrung sind die meisten nicht unglücklich, weil sie tätowiert sind, sondern damit, was sie tätowiert haben oder wie die Qualität der Tattoos ist. Auffällig ist auch, dass die Menschen, die einen mehr oder weniger großen Teil ihrer Hautfläche dieser Kunst verschreiben, wesentlich besser mit einem falsch gewählten oder schlecht gemachten Tattoo leben können, als diejenigen, die sich lediglich ein Einzelstück wünschen.

Das A und O, um nicht in Zukunft zu dieser Gruppe der Unzufriedenen zu gehören, sollte daher die Auswahl des Motivs und des Tätowierers sein.
Die typischen Fehler bei der Auswahl des Motivs sind folgende:

1. Das Problem der unpassenden Motive:
Viel zu oft lassen sich Kunden einfach unpassende Tätowierungen stechen. Zum Einen sind da die Mädels, die sich einen kleinen Hasen oder sonst was Kitschiges wünschen, weil sie es so süüüüß!! finden. Ein paar Jahre älter geworden, wird daraus nicht selten eine geradezu lächerliche Angelegenheit. Doch nicht nur Mädels vertun sich in der Auswahl: Motive, die ausdrücken sollen, was für ein harter Kerl jemand ist, obwohl im Inneren eigentlich ein ganz anderer Charakter steckt, können früher oder später zu einem ernsthaften Problem werden.

2. Das Problem der Größe:
Immer wieder lassen sich Kunden aus Geldgründen oder weil sie erst einmal testen wollen, ob und wie sie mit dem Schmerz umgehen sollen, ein viel zu kleines Bild stechen. Spätestens, wenn jemand das zehnte Mal verarscht worden ist, was dieser kleine Fleck auf dem ausgewachsenen Männerarm eigentlich darstellen soll, wird auch hier Unzufriedenheit entstehen. Ein Tattoo sollte schlicht und einfach zu den eigenen Proportionen passen und im besten Fall sogar die eigenen Proportionen und Formen betonen und so harmonisch wirken. Ein gutes Beispiel sind die sehr körperbetonenden großflächigen Tätowierungen der Japaner oder Maoris.

3. Das Problem der Auswahl aus dem Katalog:
Ohne Frage, es gibt inzwischen wirklich verdammt viele gute Motive in allen möglichen Stilrichtungen und bei vielen kann auch bedenkenlos zugegriffen werden. Doch komischerweise suchen sich manche Kunden, gerade bei recht simplen Motiven wie Blumen oder Ornamenten, immer wieder dieselben Motive aus. Ich denke, davon kann jeder professionelle Tätowierer ein Lied singen. Wer dann im Sommer im Freibad gleich bei vier anderen Menschen genau das selbe Bild sieht, ist nicht selten abgenervt.
Für all die, die noch keine oder wenig Erfahrung mit dem Tätowieren besitzen, noch einmal in Kurzform die wichtigsten Dinge, die Ihr überdenken solltet:

· Denk darüber nach, welches Motiv wirklich zu Dir passt und verzichte auf Motive, die lediglich eine Laune oder Lebensphase widerspiegeln.

· Verzichte auf winzige Motive, die entweder verloren wirken oder so fein gestochen werden müssen, dass Du in 20 Jahren keine Freude mehr daran hast, weil sie verlaufen. Angst vor den Schmerzen oder nicht genügend Geld für eine größere Tätowierung wirst Du später immer bereuen!

· Werde selbst kreativ oder lass jemand anderes kreativ werden, um ein für Dich individuelles Motiv zu erhalten. Verlass Dich nicht einfach auf den Katalog des Tätowierers: Du kannst selbst zeichnen oder einen Kumpel fragen, Du kannst Dich in Büchereien, auf Plattencovern oder in Comics umschauen und Du kannst in aller Regel Motivideen an Deinen Tätowierer herantragen oder etwas mitbringen. Manchmal ist nicht alles so umsetzbar, aber es wird immer eine Lösung geben, die sowohl Dich als auch Deinen Tätowierer befriedigt. Ein gute Variante kann auch sein, vorhandene Motive aus dem Katalog umzuzeichnen, abzuändern und zu verfremden, um ein individuelles Motiv zu erhalten. Falls das Zeichnen allerdings vom Künstler Deiner Wahl übernommen werden soll, sollte Dir klar sein, dass dies seine Arbeitszeit ist, die auch dementsprechend entlohnt werden sollte. Auch Du wirst kein Bock haben „for nothing“ ackern zu gehen.



Der Tätowierer

Spätestens wenn klar ist, welches Motiv ihr haben wollt, geht die Suche nach dem richtigen Tätowierer los. Angenommen, ihr habt mit diesem Eure Ideen „auf Papier gebracht“, wird Euch die Wahl vermutlich nicht schwer fallen.
Wenn dem nicht so ist, solltet Ihr Euch wirklich die Zeit nehmen und die Arbeiten der verschieden Anbieter vergleichen. Nehmt mit verschiedenen Künstlern Kontakt auf und lasst Euch die Fotos von Arbeiten zeigen. Jeder Tätowierer wird versuchen, möglichst viele seiner Kunstwerke auf Fotos zu verewigen, um Arbeitnachweise liefern zu können.
Ob die Arbeiten eines Tätowierers qualitativ gut sind, ist für einen Laien oder Anfänger nicht immer leicht zu erkennen. Oft machen Kunden den Fehler, dass sie lediglich darauf achten, ob Ihnen die Motive an sich zusagen. Das kann natürlich kein Kriterium dafür sein, ob ein Tätowierer auch gut sticht, denn die Motive wählen sich ja mehr oder weniger die Kunden selbst aus. Allerdings könnt Ihr darauf achten, ob die Linienführung sauber ist, ob Spitzen wirklich spitz sind (oft bei Ornamenten), ob Farben gleichmäßig in die Haut gebracht worden sind und ob Schattierungen sanft ineinander überlaufen oder eher kratzig aussehen.

Weiterhin sollte man auch darauf achten, was für Arbeiten dem jeweiligen Künstler anscheinend liegen. Jemand, der sich die meiste Zeit damit beschäftigt, Oldschool-Motive (dicke Outlines und oft quietschbunt) zu stechen, ist nicht unbedingt der Richtige, wenn es darum geht ein filigranes Schwarz-Weiß-Motiv oder womöglich ein Portrait zu stechen. Und es muss auch nicht jeder Tätowierer alles können: Ein Schriftsteller, der überwiegend Krimis schreibt, wird nicht plötzlich einen kitschigen Liebesroman schreiben - ein Maler, der Landschaften in Öl malt, wird nicht der Richtige sein, wenn es um abstrakte Kunst geht. Wenn Ihr das Gefühl habt, der Tätowierer hat kein Bock auf Euer Motiv - lasst es sein und sucht Euch einen anderen. Damit tut Ihr im Endeffekt Euch und dem Tätowierer einen Gefallen!
Neben der Qualität der Arbeiten halte ich noch etwas ganz anderes für wichtig, was die wenigsten Tätowierer auf ihren Websites ansprechen: Ihr solltet Euch dort einfach wohl, gut aufgehoben und ernstgenommen fühlen!

Unter Umständen kann ein Tattoo schon einige Stunden dauern und Du lässt den Künstler sehr dicht an Dich heran - der Akt des Tätowierens ist durchaus sehr intim. Wenn Du dann irgendwo gelandet bist, wo Du Dich unwohl fühlst und eigentlich nur flüchten möchtest, bist Du definitiv bei der falschen Adresse gelandet.
So leid es mir tut - es gibt keine Standardantwort, welches der richtige Künstler für einen ist:
Nicht jeder der zuhause sticht, ist ein Scratcher, der nur miserable Tattoos sticht und kein bisschen auf Hygiene achtet und nicht jedes noch so schicke Studio liefert gute Arbeit!
Auch der Preis einer Tätowierung ist kein Garant für eine qualitative Arbeit: Es gibt ein paar recht teure Tätowierer, die trotzdem nur Mist verzapfen und sehr preiswerte, die exzellente Arbeiten verrichten. Wenn man allerdings Tattoos in Oberarmgröße für 50 Euro angeboten bekommt, sollte man schon vorsichtig sein - schließlich sind die Verbrauchsmaterialien, die für ein hygienisches Tattoo benötigt werden, nicht ganz billig.
So manch einer wirbt auch einfach damit, dass er schon seit 30 Jahren tätowiert (Kollegen wissen sofort, von wem ich spreche) - leider helfen die Anzahl der Jahre nicht immer dabei, auch ein guter Tätowierer zu werden.



Vor dem Termin

Dein Termin steht und falls Du noch keine Erfahrung hast, bist Du wahrscheinlich schon Tage vorher nicht mehr in der Lage, richtig zu schlafen. Falls Du bis jetzt noch keine Tipps von dem Künstler Deiner Wahl bekommen hast, ein paar Hinweise, wie Du die ganze Sache ein bisschen besser angehen kannst bzw. was Du vor Deinem Termin beachten solltest:
Versuche ausgeschlafen und entspannt beim Termin zu erscheinen. Wer gestresst ist und denkt, er kann sich das Tattoo mal kurz in der Mittagspause abholen, wird wesentlich schlechter mit der Aufregung und dem Schmerz klarkommen, als jemand, der die Muße und Zeit dafür mitbringt. Auch eine zu hohe Aufregung kann ganz schnell zu Kreislaufproblemen führen.
Aus demselben Grund solltet Ihr vor dem Termin noch einmal richtig gut essen - ich persönlich habe mir vor Terminen Unmengen an Nahrung in mich hineingestopft!
Der Abend vor dem Tattoo-Termin ist garantiert der falsche Zeitpunkt, um um die Häuser zu ziehen und Euch womöglich die Kante zu geben oder Drogen zu konsumieren. Abgesehen davon, dass Ihr Euch beim Stechen noch elender fühlen werdet, kann das zu einer vermehrten Produktion von Wundwasser führen, was die Arbeit und die Heilung beeinträchtigen kann. Ihr tut Euch also echt keinen Gefallen damit!
Wer auf dem Bau oder sonstwo arbeitet, wo die Haut mit viel Schmutz, Staub oder Chemikalien in Berührung kommt, sollte seinen Termin entweder auf den Urlaub oder wenigstens auf Freitag Nachmittag verlegen, damit die Wunde noch zwei Tage Schutz vor all diesen Einflüssen hat.
Oft wünschen sich Kunden ein Tattoo kurz vor dem Urlaub im Süden, damit sie am Strand damit auftrumpfen können. Lasst es sein! Ein frisches Tattoo verträgt weder direkte Sonneneinstrahlung, noch Schwimmen oder Baden!



Tattoo Time

Es ist soweit - mit einem vermutlich mulmigen Gefühl in der Magengegend betretet ihr die heiligen Hallen des Künstlers. Falls Ihr bis jetzt noch keinen Einblick in den Arbeitsbereich bekommen habt, ist jetzt die letzte Möglichkeit, Euch auch einen Eindruck über die Sauberkeit und Hygiene des Arbeitsplatzes zu machen.
· Alle Gegenstände und Arbeitsgeräte, die der Tätowierer benutzt, müssen entweder durch Folien, die danach leicht entsorgt werden können, abgedeckt werden oder desinfiziert werden. Dazu gehören die Tätowiermaschinen an sich, die Lampen, die Kabel, der Trafo, der Behandlungsstuhl und die Arbeitsfläche, auf der die Farben in Näpfchen gefüllt werden. Falls keine Folie zum Abdecken verwendet wird, kann dazu Flächendesinfektion verwendet werden.
· Der Künstler muss sich vor jedem neuen Kunden die Hände waschen und sie mit Hautdesinfektion behandeln. Selbstverständlich werden auch nach jeder Pause neue Handschuhe verwendet.
· Die Griffstücke sollten entweder aus dem Sterilisator kommen oder aus Einmalgriffen bestehen. Die Nadeln mitsamt Nadelstangen sind einzeln und steril verpackt und werden nach jedem Kunden entsorgt. Die Verwendung eines Sterilisators oder Autoklav ist absolute Pflicht eines Tätowierers - dass darauf noch gesondert hingewiesen muss, hoffe ich mal nicht!
· Die Farbe wird in spezielle Farbkappen gefüllt, die ebenfalls nach dem Eingriff entsorgt werden.
Fühlt Ihr Euch nach wie vor gut aufgehoben, geht es nun an die weitere Vorbereitung. Eure Haut wird desinfiziert, eventuell rasiert und die meist vorher vorbereitete Schablone des Motivs wird mittels einer Abzugsflüssigkeit auf die von Euch gewünschte Hautpartie übertragen. Nun könnt Ihr im Spiegel den Sitz überprüfen und eventuell korrigieren.
Seid Ihr und der Künstler so weit, werden nun die Umrisse des Motivs, die outlines, gestochen und Ihr spürt zum ersten Mal den Schmerz. Die Frage, ob das eigentlich wehtut, kann eigentlich nur jeder für sich beantworten. Jeder besitzt ein unterschiedliches Schmerzempfinden, so wie jeder auch Hitze oder Kälte anders empfindet. Die Einen meinen, es wäre eine Art Vibrieren, die Anderen sprechen eher von einem schneidenden Gefühl, wieder andere leiden merklich...
Wie sehr Ihr damit zu kämpfen habt, hängt also ganz von Euch ab und davon, an welcher Stelle Ihr das Tattoo haben wollt. Die Innenseiten von Armen und Beinen und direkt auf den Knochen (Ellbogen oder Rippen) sind defintiv empfindlicher als andere Stellen.
Wenn ich ein persönliches Urteil abgeben soll: Ja! Es tut weh! - Und vor allem bin ich entsetzt darüber, dass es mir immer mehr wehtut, was aber auch daran liegen könnte, dass die „angenehmen“ Stellen einfach schon voll sind... Oder werde ich zur Memme???
Wie sehr man das als schlimm empfindet, hängt außerdem davon ab, wie lange eine Sitzung dauert. Wer nach 30 Minuten schon fertig ist, wird wohl kaum so leiden, wie jemand, der eine Sechs-Stunden-Sitzung hinter sich bringen will.
Also: Alles relativ, aber durchaus auszuhalten - wenn man es wirklich will!
Nach den Outlines folgen die Schattierungen und die Farben. Das Tattoo wird gesäubert, eventuell wird noch ein paar Minuten gewartet, bis das weitere Wundwasser ausgetreten ist. Schließlich wird die Wunde desinfiziert, eingecremt und mit einem provisorischen Verband versorgt, der die Wunde vor Dreck und anderen äußeren Einflüssen schützt.
Da sich die Empfehlungen zur perfekten Wundheilung sehr unterscheiden, möchte ich an dieser Stelle keine Allwissenheit heraushängen lassen - schließlich habe auch ich im Laufe der Jahre immer wieder etwas andere Anweisungen und Empfehlungen gegeben. Und nicht jede Anweisung passt für jeden Kunden oder jedes Bild - je nach Stelle und danach, ob der Kunde z.B. viel oder wenig Wundwasser bildet etc. Daher sollte jeder seinem Tätowierer vertrauen!
Einig sind sich dagegen wohl die meisten Tätowierer über folgende Punkte:
· Die ersten Wochen weder ins Solarium, noch in die Sonne!
· Die ersten Wochen Schwimmen und lange Bäder vermeiden!
· Nicht zuviel cremen - der Schorf wird unnötig aufgeweicht!
· Der Schorf muss von alleine abfallen - nicht daran herumpolken, egal wie sehr es juckt!
Nicht nur der Tätowierer ist verantwortlich dafür, dass Ihr ein gutes Tattoo bekommt - Ihr seid der maßgebliche Faktor bei der Heilung und könnt mit falscher Pflege auch jedes noch so gute Tattoo noch im Nachhinein versauen!